Plovdiv 2019 – Entdecke Europas Kulturhauptstadt!

Blick vom Nebet Tepe über die Stadt Plovdiv Kulturhauptstadt 2019
Blick vom Nebet Tepe über die Stadt

2019 sind wieder zwei Städte europäische Kulturhauptstadt. Die interessantere von beiden liegt im Südosten des Kontinents: Plovdiv. Die zweitgrößte Stadt Bulgariens zeigt Vergangenheit und Zukunft der Region.

Seit rund 30 Jahren gibt es die Idee der europäischen Kulturhauptstädte. Andere Orte als nur die großen Hauptstädte und Metropolen des Kontinents bekommen so die Aufmerksamkeit, die ihnen, oft zu unrecht, bislang verwehrt blieb. Sie entstehen neue Plätze, an denen sich Kulturschaffende ausprobieren, präsentieren und mit den Besuchern in Dialog treten können. Seit einigen Jahren werden jeweils zwei Städte in verschiedenen Ländern zur europäischen Kulturhauptstadt gekürt. Dabei wird nicht nur ein breites Programm an Theateraufführungen, Veranstaltungen oder Konzerten geplant. Die Städte selbst werden mit ihren Menschen und deren Geschichten, mit ihrer Geschichte und ihren Visionen ein Jahr lang zu Orten der Begegnungen, Entdeckungen und Ideen.

Die beiden Städte, die 2019 diesen Titel tragen sind Matera im Süden Italiens und Plotdiv (oder Plowdiw), die zweitgrößte Stadt Bulgariens. Letztere möchte ich euch hier ein bisschen genauer vorstellen.

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Bulgarien – Land im Aufbruch

Bulgarien.  Wer an dieses Land denkt, sieht meistens einen der ärmsten Staaten der Europäischen Union oder Hotelburgen am Schwarzen Meer mit all ihren Schattenseiten vor sich. Dabei hat das Land im Südosten des Kontinents eine wechselvolle Geschichte und viele kulturellen Reichtümer zu bieten. Erst langsam erwachen das Land der Rosen und seine Einwohner aus den harten Jahren nach dem Zusammenbruch des Sozialismus. An vielen Ecken sind die Spuren der Planwirtschaft, von Korruption und brachliegender Industrie noch zu sehen.

Und doch: Knapp drei Jahrzehnte nach dem Ende des Kommunismus werden die Veränderungen immer sichtbarer. Wer mit dem Auto die Strecken von Sofia nach Plovdiv, zum Schwarzen Meer oder an die griechische Grenze zurücklegt, der fährt immer öfter über frische Autobahnen mit glänzenden Leitplanken, die den wilden Fahrstil der Bulgaren etwas bremsen. Die Supermärkte, die LIDL’s und BILLAs könnten so auch in jeder deutschen Stadt stehen und die Fußgängerzonen mit ihren Shops und Handelsketten unterscheiden sich nicht mehr allzu sehr von allen anderen durch die man selbst geht.

Die kleine Kirche Sveti Konstantin & Elena in der Altstadt

Gerade in der Fußgängerzone von Plovdiv merkt man, dass die Stadt am Fluß Mariza schon einige Jahre länger existiert als die meisten anderen Städte Europas – und der Welt. Denn unterhalb der „Knyaz Aleksandar“-Straße liegt das alte römische Stadion, in dem im 1. Jahrhundert n. Chr. Athleten die Bevölkerung der damals gerade Trimontium genannten Stadt mit Wettkämpfen unterhielten. Die Reste dieser römischen Provinzhauptstadt liegen bis heute in mehreren Meter Tiefe unter dem Stadtzentrum. Wer in den H&M in der Einkaufsstraße geht, der kann direkt einen Blick auf die 2000 Jahre alten Sitzreihen des Stadions unter sich werfen, wenn er im Erdgeschoß die aktuelle Kollektion anprobiert. Dabei war die Stadt bereits rund 6000 Jahre besiedelt, als diese Sitze aus dem Stein geschlagen wurden.

Eine wechselvolle Geschichte und viele Namen

Doch in Plovdiv wechselten nicht nur oft die Herrscher, sondern auch der Name der Stadt. Bei den Thrakern hieß sie Pulpudeva, bei den Griechen Philippopolis, bei den Römern Trimontium, bei den Türken Filipe und erst seit dem 15. Jahrhundert spricht man von Plovdiv.
Wenn du die Stadt erkunden willst, dann starte am besten in der Altstadt, die sich rund um den „Nebet Tepe“ genannten Hügel schlängelt. Das Kopfsteinpflaster zwischen die alten Häusern führt dich zum römischen Theater, in Museen, Bürgerhäuser und auf die Spitze des Hügels mit den freigelegten Überresten aus der Bronzezeit und einem tollen Panoramablick über Stadt bis zu den Bergen des Rhodopen-Gebirges im Süden.
Wer den Blick schweifen lässt, dem fällt irgendwann der Turm der Dschumaja-Moschee auf. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Bulgarien Teil des osmanischen Reiches und so finden sich neben den typischen Kirchenbauten und Klöstern der orthodoxen Christen auch im ganzen Land Moscheen, die bis heute von der islamischen Minderheit genutzt werden.

Das Kreativ-Viertel Kapana

Direkt neben der Moschee kannst du in das alte Stadion hinabsteigen und bekommst einen Eindruck über seine gewaltigen Dimensionen. In eine ganz andere Richtung geht es auf der Rückseite der Moschee. Denn hier beginnt das Künstlerviertel Kapana. Noch bis vor ein paar Jahren bestand es nur aus alten, verfallenden Häusern und von Besuchen in der Nacht wurde abgeraten. Doch Plovdiv hat das richtige Mittel gegen den Verfall gefunden. Künstler und Kreative konnten hier ein Jahr kostenlos arbeiten, wenn sie die Häuser mit Leben füllten. Und heute ist Kapana eines der kreativen Zentren Bulgariens und ein eigenes Künstlerviertel, in dem man Stunden damit verbringen kann, in den vielen kleinen Galerien und Shops zu stöbern oder in hippen Cafés in der Sonne zu entspannen, die hier bis weit in den Herbst wärmt. Und auch die Nächte in Kapana werden bunter. Pubs, Bars und Clubs öffnen unter den bunten Wimpeln, die seit einigen Jahren zeigen, dass hier der Ort ist, an dem etwas entsteht.

Seit 2014 die Entscheidung bekannt gegeben wurde, dass Plovdiv 2019 Kulturhauptstadt wird, sind an jeder Ecke der Stadt die Änderungen zu sehen. Überall wird gebaut, werden archäologische Kulturgüter ausgegraben, restauriert und präsentiert. Fast könnte man meinen, es ist zuviel Geschichte in dieser Stadt zu finden, als dass alles rechtzeitig fertig wird. Auf jeden Fall bietet die Stadt so Vieles, das ein Tagesausflug nach Plovdiv nich reicht. Plane lieber einige Tage mehr ein.

Highlights in Plovdiv

Die meisten Sehenswürdigkeiten kosten Eintritt (außer der Nebet Tepe). Wer sich definitiv einige Anschauen will, für den lohnt sich ein Kombiticket zu 15 BGN Lewa) für einen Erwachsenen für 5 Sehenswürdigkeiten. Für Schüler und Senioren gibt es Rabatte. Der einzelne Eintritt pro Sehenswürdigkeit liegt bei 4 BGN, dass sind etwa 2€.

Die Altstadt

Das Hissara-Tor in der Altstadt
Das Hissara-Tor in der Altstadt

Die Altstadt ist das Herz von Plovdiv. Auf nur ein paar Hektar schlängeln sich alte Straßen und Häuser den Hügel hinauf. Die Reste der alten Stadtmauern, das Ethnografische Museum und das Hissara-Tor sind nur einige Kleinode, die sich auf dem Kopfsteinpflaster erlaufen lassen.

Kleine orthodoxe Kirchen finden sich an vielen Straßenecken und in den alten Bürgerhäusern liegen versteckte Restaurants und Hotels.

 

 

 

Antikes Theater

Das antike römische Theater in Plovdiv
Das antike römische Theater in Plovdiv

Das Antike bzw. Römische Teather liegt direkt über einem Autobahntunnel. Denn es wurde erst Ende der 1960er Jahre nach einem Erdrutsch entdeckt und bis in die 1980er Jahre rekonstruiert. Es gilt als eines der am besten erhaltenen Theater aus dieser Zeit weltweit. Errichtet wurde es bereits im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. Und es wird auch heute wieder als Veranstaltungsort für Opern, Konzerte und Theateraufführungen genutzt. 2018 spielte hier beispielsweise Sting und Nescafé drehte vor der malerischen Kulisse Werbespots.

Unbedingt etwas Zeit mitbringen und einfach mal ins Theater-Rund setzen. Auch die Bühne und die erste Ebene des Proszeniums (der fassadenartige Vorbau der Hinterbühne) können betreten werden. Am besten bei klarem Wetter, dann wirkt es mit den Bergen im Hintergrund um so majestätischer.

Geöffnet täglich von 9-18 Uhr

Nebet Tépe

Blick vom Nebet Tepe über die Stadt Plovdiv Kulturhauptstadt 2019
Blick vom Nebet Tepe über die Stadt

Hier liegt der Anfang der Stadt.Schon vor mindestens 6000 Jahren besiedelten die ersten Menschen den Hügel, der heute ein beliebtes Ziel für Einheimische und Touristen ist. Mauern und Überreste aus vielen Epochen liegen hier kreuz und quer übereinander. Am besten zum Sonnenuntergang auf den Hügel steigen und den Ausblick über die Stadt genießen.

Das Römische Stadion

antikes Stadion Plovdiv Bulgarien
Die Nordkurve des antiken Stadions

Am Anfang der Fußgängerzone, direkt neben der Moschee, liegt ein kleiner Teil des antiken Stadions unterhalb des Straßenniveaus frei. Vom Platz kann man hinabsteigen und sich selbst setzen. Man bekommt einen kleinen Eindruck davon, wie riesig das damals 240 Meter lange Stadion gewesen sein muss, bevor es für lange Zeit unter der Erde verschwand und erst 1923 wiederentdeckt wurde.

Geöffnet täglich von 9-18 Uhr

Dschumaja-Moschee

 

Da die Moschee auch heute noch genutzt wird, ist sie nicht einfach zu besichtigen. Mit ihrer Architektur aus dem 15. Jahrhundert gehört sie einfach zum Stadtbild. Dafür lässt sich entspannt ein türkischer Kaffee im angrenzenden Café unter der Holzvertäfelung aus dem 18. Jahrhundert trinken.

Kapana

Das Künstlerviertel Kapana in Plovdiv
Das Künstlerviertel Kapana in Plovdiv

In den Häusern aus dem frühen 20. Jahrhundert entstehen immer mehr Galerien, Cafés und Ateliers. Zahlreiche Künstler stellen hier aus und es schöendert sich entspannt durch die verwinkelten Straßen.

Das Forum Romanum, Odeon und Stadttor

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Langsam wird die alte Hauptstraße mit den Resten des Stadttores freigelegt

Derzeit werden sie noch freigelegt und restauriert. Vielleicht zum Teil wieder aufgebaut: Einige der wichtigsten Orte im antiken Philippopolis. Das Forum Romanum und das Odeon findest du neben der Post, sie werden gerade für Besucher zugänglich gemacht. Das östliche Stadttor liegt auf der anderen Seite des Altstadt-Hügels und wird noch ausgegraben. Immer wieder wird die alte zentrale Straße bei Ausgrabungen sichtbar.

Kleine Basilika

plovdiv kleine basilika kulturhauptstadt

 

Wie so viele andere antike Stätten wurde sie eher zufällig entdeckt: Die kleine Basilika etwas außerhalb der Altstadt. Im 5. Jahrhundert wurde der älteste Teil errichtet. Noch heute sind die kunstvollen Mosaike und das Taufbecken zu bewundern.

Türkisches Bad

Bis vor einigen Jahren lag das alte türkische Bad mitten im Stadtzentrum brach. Heute wird für Ausstellungen moderner Künstler genutzt. Leider nur sporadisch geöffnet.

Das Ethnografische Museum

ethnografisches museum plovdiv kulturhauptstadt 2019

Inmitten der Altstadt liegt auch das Ethnografische Museum. Das Haus und sein Garten sind schon ein Highlight und im Inneren gibt es zahlreiche Ausstellungsstücke aus den letzten 200 Jahren regionaler Geschichte.

Wie kommt man nach Plovdiv?

Plovdiv besitzt seit 2013 auch einen internationalen Flughafen. Von Deutschland aus wird er leider nicht mehr direkt angeflogen. Die einzige regelmäßige Verbindung bietet Ryanair ab London-Standsted.

Einfacher ist es da mit einer der täglichen Maschinen von Deutschland nach Sofia zu fliegen und von dort per Taxi, Zug oder Mietwagen in ca. zwei Stunden nach Plovdiv zu fahren. Ein Taxi ab Sofia kostet ca. 50€. Deutlich mehr solltest du nicht bezahlen!

Taxis in Bulgarien

Wichtig zu Taxis in Bulgarien: Am besten nur die gelben nehmen. In der Rückscheibe jedes Taxis muss der Fahrpreis pro Kilometer ausgewiesen sein. Dort wird gerne mit den Kommata gespielt. Ein Kilometer sollte auf jeden Fall weniger als einen Lew kosten. 0,49-0,89 Lew / km sind normal.

Sprache

In Bulgarien spricht man bulgarisch, eine typisch slawische Sprache. Geschrieben wird mit dem kyrillischen Alphabet (das wohl von hier nach Russland exportiert wurde). Jüngere können natürlich auch Englisch, viele auch etwas Deutsch. Die Straßen und alle wichtigen Informationen sind immer in Bulgarisch und Englisch ausgeschildert.

Und ganz wichtig: In Bulgarien ist die Bedeutung von Kpofschütteln und Nicken umgekehrt als im Rest der Welt: Ein Nicken bedeutet “Nein”, ein Kopfschütteln “Ja”. Manchmal sehr verwirrend – und lustig.



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