Im Interview: Als Frau alleine durch Myanmar reisen

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Yun von yunnique.de ist vor einer Weile alleine durch Myanmar gereist. Sie gibt hier Tipps für die Reiseplanung und erzählt von ihren Eindrücken und Erfahrungen, die sie als Alleinreisende in diesem Land gemacht hat. Denn als Frau alleine durch Myanmar zu reisen, räumt mit vielen falschen Vorstellungen auf.

Hallo Yun! Danke, dass du deine Reiseerfahrungen bei deinem Solo-Trip durch Myanmar mit uns teilst! Du bist vor einigen Monaten alleine durch Myanmar gereist. Das klingt auf jeden Fall sehr spannend.

– Würdest du dich kurz vorstellen? Wer bist du und was machst du so?

Ich bin in der wunderschönen Stadt Freiburg in Baden-Württemberg aufgewachsen und zur Schule gegangen. Bis zu meinem 11. Lebensjahr habe ich in China gelebt.
Nach meinem Studium in Medienwissenschaft und einem 6-monatigen Aufenthalt in England im Anschluss bin ich irgendwann nach Berlin gezogen um mit einem Praktikum in der Arbeitswelt zu starten.Seit 2,5 Jahre arbeite ich Vollzeit in einer Online Marketing Agentur. Es ist faszinierend zu sehen, wie die moderne Medien uns und unser Leben tagtäglich verändern. Ich blogge auf yunnique.de über meine Reisen und alles, was mich sonst so bewegt.

– Ganz allgemein, was bedeutet es für dich, zu reisen?
Reisen bedeutet für mich Freiheit und Abenteuer. Auf Entdeckungreise zu vielem Interessantem und Fremdem gehen. Es ist eine Art Horizonterweiterung für mich. Wenn ich auf Reisen bin, fühle ich mich frei, unbeschwert und ausgeglichen. Ich liebe das Aktive daran.

– Bist du vorher schon alleine gereist?

Ja. Ich habe mich mal ganz alleine auf den Jakobsweg gemacht. 🙂 Dabei war ich 3 Wochen lang unterwegs. Aber ganz alleine ist man ja nie wirklich. Man läuft ab und zu mit ein paar Pilgern zusammen, über mehrere Tage und dann läuft man wieder ein ganzes Stück lang ganz alleine. Das war ein wundervolles Erlebnis, das ich niemals vergessen werde. Das Titelbild von meinem Blog entstand übrigens auf dem Jakobsweg. Genauer genommen auf dem Camino del Norte.

– Viele denken, dass es gerade als Frau besonders gefährlich ist, alleine zu verreisen. Andererseits sind gerade viele Alleinreisende Frauen. Wie sind deine Erfahrungen?

Ich habe als Frau sehr gute Erfahrung beim Alleinreisen gemacht. Natürlich habe ich als Frau auch Momente gehabt, an denen ich mich fragte, ob es wirklich sicher für mich war.
Je nach dem wohin man reist, erntet man verständlicherweise von Menschen schon ein paar fragwürdige Blicke . Da darf man sich auf keinen Fall verunsichern lassen, sondern muss sich bewusst machen, dass die Menschen nur aufgrund der kulturellen Unterschiede Dinge nicht verstehen bzw. sich dann dementsprechend verhalten.
Gerade wenn du als Frau alleine reist, sind viele Menschen viel hilfsbereiter. Das war zumindest mein Eindruck. Sie wollen einer Frau helfen, damit sie alleine nicht zuvielen Gefahren ausgesetzt ist.
Hierbei muss ich ganz besonders an meine Reise in Myanmar denken. Am meinem ersten Tag in Mandalay lief ich alleine am Abend herum, auf der Suche nach dem Nachtmarkt in der Nähe meines Hostels. Alleine zu reisen ist für die Burmesen ungewöhnlich. Erst Recht als Frau, weshalb ich viele fragende Blicke geerntet habe.
Ich muss sagen, dass es mir sehr unangenehm war, vor allem, weil meine Kleidung absolut gar nicht der Kleiderordnung vor Ort entsprach. Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich mich selbst in eine sehr prekäre und gefährliche Situation gebracht zu haben schien und bekam tierische Panik.
Glücklicherweise täuschte ich mich grundlegend. Die Blicke waren besorgte Blicke! Besorgt um mich als ein kleines, zierliches Mädchen, das ganz allein im Dunkeln (es gab kein Licht an den Straßen) herumirrte. Dann wurde ich irgendwann von den Leuten angesprochen, ob sie mir weiterhelfen können. Myanmar ist ein sicheres Reiseland – durch und durch und auch für Frauen.
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Pagoden nahe Mandalay

– Warum ging die letzte Reise nach Myanmar / Burma? Was hat dich an diesem Land so gereizt?

Mich faszinieren die Länder in Asien schon immer besonders. Warum ich ausgerechnet Myanmar ausgesucht habe? Das war eigentlich reiner Zufall. Dadurch, dass ich meinen Plan eines Asien-Roundtrips letztes Jahr nicht realiseren konnte, musste ich mich auf ein einziges Land beschränken. Thailand, Malaysia etc. schienen mir mittlerweile schon zu touristisch geworden zu sein, sodass ich eher zu einem kleinen, touristisch wenig ausgebauten Land tendierte. Eine Freundin war schon mal dort und das Land wirkte sehr spirituell und geheimnisvoll auf mich. “Ein Land mit Tiefe, Ruhe und Geschichte” dachte ich mir.

– Wie lange vorher hast du mit der Reiseplanung begonnen?

Ich habe mich ca. 2-3 Monate vorher um die Flüge gekümmert. Das war schon ganz gut so. Ich hatte noch einen Zwischenstopp in Hong Kong eingelegt und in Myanmar an einem anderen Flughafen als der Ankunftflughafen abgereist. Mit STA Travel habe ich da gute Erfahrungen hinsichtlich Gabelflüge gemacht.Yun beschreibt in ihrem Blog ausführlicher, wie und wo sie gebucht hat und worauf man achten sollte!

– Bist du spontan im Land herumgereist oder hattest du dir vorher schon überlegt, wo du hin willst?

Das war eine Mischung aus beidem. Ich habe schon im Vorfeld geschaut, welche Städte sehenswert sind, die gleichzeitig in meinem Zeitplan passen. Durch den Aufenthalt in Hong Kong hatte ich nur 7 Tage Zeit in Myanmar, bevor mein Urlaub wieder zu Ende ging. Doch vor Ort änderte ich auch ein, zwei Male spontan meine Reiseroute.Mal habe ich einen Ort weggelassen, der ursprünglich auf meinem Plan stand, mal habe ich einen Ort (z. B. Nweng Saung Beach) hinzugefügt, weil er gut zu meinem Plan passte. Das war alles kein Problem gewesen. Nach Transport- und Unterkunftsmöglichkeiten von einer Stadt zur anderen habe ich immer sehr spontan gesucht und viel beim Hostel nachgefragt. Obwohl Myanmar touristisch gesehen noch nicht so weit ist wie Thailand und Co., sind da doch auch schon einige Touristen vorzufinden und dementsprechender Service verfügbar. Deshalb verlief alles sehr reibungslos und bequem.

– Eine ganz praktische Frage: Wie lief es mit der Sprache bzw. Verständigung im allgemeinen?

Die Verständigung mit den Einheimischen war unkompliziert. Obwohl viele kein Englisch gesprochen haben, konnte man an den wichtigen, öffentlichen Stellen viele Menschen finden, die Englisch sprachen. Ich hatte keineswegs Probleme gehabt, sei es bei Hostel, Taxiständen, beim Kauf von Transport-Tickets etc.Nur beim Essenbestellen hatte ich ab und an mal Schwierigkeiten gehabt, weil ich viel Essen an den Ständen bestellt habe. Da kam es sehr häufig vor, dass die Verkäufer sich nicht mit mir verständigen bzw. meine Fragen nicht beantworten konnten. Da muss man sich dann eben mit Händen und Füßen verständigen!

– Welche Erfahrungen und Erkenntnisse hast du daraus gewonnen, alleine zu verreisen? 

Tolle Erkenntnisse habe ich daraus gewonnen. Man hat viel Zeit dafür, alles genau, ohne Ablenkungen, anzuschauen. Viel Zeit zur Selbstreflexion. Man ist viel unabhängiger. Aber man lernt genauso die andere Seite, die Gesellschaft anderer Menschen, mehr zu schätzen. Denn ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich mich nie einsam gefühlt habe. 🙂

– Hast du schon Pläne für neue Reisen, wenn ja, wohin? Und willst du wieder alleine verreisen?

In der Tat! Ich habe vor für einen Monat nach Indonesien, auf die Insel Sulawesi zu gehen. Da war auch schon eine Freundin von mir und das fast jedes Jahr. Die Bilder von ihr sahen wunderschön aus! Und ja, das werde ich vermutlich wieder alleine machen. Ich freue mich einerseits schon sehr darauf aber andererseits fände ich es auch sehr schade, dass ich die Erlebnisse nicht direkt vor Ort mit den Liebsten teilen kann.

Vielen Dank Yun, dass du deine Impressionen und Tipps mit uns teilst! Vielleicht lässt du die Leser ja auch nach deinem nächsten Solourlaub wieder an deinen Erfahrungen teilhaben. Auf jeden Fall wünsche ich dir viele weitere tolle Reisen, wo auch immer sie dich hinführen mögen.


Myanmar, das ehemalige Burma bzw. Birma, litt jahrzehntelang unter einer rigiden Militärdiktatur. Seit 2011 hat ein rasanter Demokratisierungsprozess eingesetzt. Seitdem öffnet sich das Land zunehmend dem Tourismus und ist (noch) so etwas wie ein Geheimtipp. Aber die Touristenzahlen steigen schnell: Waren es 2010 lediglich 220.000, werden es 2016 schon deutlich über 5 Millionen Touristen sein.

Gute Myanmar-Reiseführer gibt es unter anderem von Stefan Loose* oder  Franz Josef Röll*.

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