Der Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich

Der Aussichtsturm im Baumkronenpfad des Nationalpark Hainich in Thüringen

Zurück in die Natur: Auf dem Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich lassen sich Wälder sehen, wie es sie sonst in Deutschland nicht mehr gibt. Nicht ohne Grund zählt der Nationalpark inzwischen zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Einfach mal über den Wipfeln stehen und den Blick wie ein Vogel schweifen lassen. Baumkronenpfade vermitteln neue Perspektiven auf Wälder. Den besten Blick auf eine natürlichen Blätterwald bietet dabei wohl der Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich. Nicht nur, weil er am höchsten Punkt deutlich über den Höhen mitteleuropäischer Bäume liegt, sondern vor allem wegen der Ursprünglichkeit des ihn umgebenden Waldes im Nationalpark.

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Blick vom Turm, dem höchsten Punkt des Baumkronenpfades über den Hainich.

Der heutige Nationalpark Hainich steht am Ende einer langen und wechselvollen Geschichte der Region, deren Überreste sich dort bis heute finden. Wer einmal erleben will, wie Wälder in unseren Breiten einmal aussahen, bevor sie vom Menschen genutzt wurden, der kann hier einen Eindruck bekommen. Im Hainich wird der Wald wieder sich selbst überlassen. Nur bestimmte Wanderwege führen zwischen den hohen Bäumen hindurch. So muss es vor Jahrhunderten gewesen sein, als in dieser Region Raubritter durch die Wälder zogen. Dass diese Geschichten von Überfällen und Schlachten nicht nur wilde Sagen sind, davon zeugen die im Hainich stehenden, halb verwitterten Steinkreuze und Sühnemale.

Wälder mit Geschichte

Am nördlichen Rand des Hainich kämpfte Heinrich IV. vor über 900 Jahren um seinen Königsthron, im Dreißigjährigen Krieg zogen Truppen plündernd durch die Region und während der Berliner Luftbrücke überflogen alliierte Rosinenbomber im Minutentakt die Baumkronen. Auch später prägten militärische Belange die Gegend: Sowjetarmee und NVA unterhielten hier in Teilen Übungsplätze für Ihre Panzer und Soldaten bis Anfang der 1990er Jahre, die danach noch eine zeitlang die Bundeswehr übernahm. Und dennoch liegt in dieser zerstörerischen Nutzung der Grundstock für den heutigen, naturbelassenen Waldbestand. Wo Granaten flogen gab es keine Forstwirtschaft und der Wald konnte sich frei entfalten. Die Granaten und Munitionsreste wurden geräumt und schließlich Ende 1997 der Nationalpark Hainich gegründet.

Der Baumkronenpfad

Im Hainich soll Wald erleb- und erfahrbar werden. Und was gibt es da besseres, als selbst zwischen den Kronen der hohen Bäume zu wandern, bis man über sie hinwegblicken kann. 2005 eröffnete der erste Teil des Baumkronenpfades, der vier Jahre später bereits erweitert wurde und nun über 500 Meter weit, leicht ansteigend durch die Wipfel führt.

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Wer schwindelfrei ist, kann auch neben dem Baumkronenpfad andere Wege gehen

Über allem ragt ein Turm, von dessen 44 Meter hohem Aussichtspunkt man über die Baumkronen hinweg weit in die Landschaft schauen kann – bei gutem Wetter bis zum Brocken und darüber hinaus. Wer in der Region ist, sollte definitiv mal einen Abstecher auf den Baumkronenpfad einplanen. Ein beeindruckendes Erlebnis. Und zugleich ist der Blick auch eine Mahnung, wie wenig zusammenhängende, naturbelassene Waldflächen es noch in Deutschland gibt.

Denn mit seiner Ausdehnung von 20×8 Kilometern ist der Hainich die größte zusammenhängende Waldfläche dieser Art in der Bundesrepublik.

 

Wildkatzendorf Hütscheroda

Wie besonders dieser Lebensraum ist, zeigen auch die zugehörigen Ausstellungen und Erlebniswelten. Im Nationalparkzentrum wird nicht nur Schulklassen neues Wissen multimedial und erfahrbar vermittelt. Lebensraum ist der Wald inzwischen ebenfalls für Wildkatzen. Rund 80 Tiere sind hier in den letzten Jahrzehnten heimisch geworden. Einige Kilometer entfernt, im Wildkatzendorf Hütscheroda lassen sich einige Tiere beobachten, besonders, wenn Fütterungszeit ist.

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Fütterungszeit im Wildkatzendorf Hütscheroda

Hier werden zu Anschauungszwecken vier Männchen aus anderen Regionen in großen Gehegen gehalten und aufgepäppelt. Ihre freilebenden Artgenossen im Hainich würde man kaum zu Gesicht bekommen. Am besten erwandert man die Strecken durch und um den Hainich. Zahlreiche Rundwanderwege mit unterschiedlichen Schwerpunkten kann man erlaufen. Und wer längere Strecken mag, für den finden sich auch einige Fernwanderwege durch die Region.

Immer sehenswert

Wer weniger gern läuft, der kann den „Wunderbaren Wanderbus“ (Linie 27A, April-Oktober) nutzen, der zwischen Eisenach und Bad Langensalza verkehrt und am Nationalpark hält. Alternativ fährt von Karfreitag bis zum 31. Oktober der Nationalparkbus (Linie 833) den Baumkronenpfad an.

Der "Wunderbare Wanderbus" hält auch am Nationalpark Hainich
Der “Wunderbare Wanderbus” hält auch am Nationalpark Hainich

Wenn du also einmal ursprüngliche Natur erleben, etwas lernen und gleichzeitig über den Bäumen stehen willst, dann solltest du den Nationalpark Hainich besuchen. Zu sehen gibt es immer etwas. Ob die weiße Blüte des Bärlauchs im Frühling, die kräftigen Baumkronen im Sommer oder das Farbenspiel der Blätter im Herbst.

Der Baumkronenpfad ist von März bis Dezember täglich ab 10 Uhr geöffnet und, wenn es kein Wanderbus sein soll, bequem mit dem Auto von Bad Langensalza und Eisenach aus zu erreichen.

Alle weiteren Infos zum Nationalpark, Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und Unternehmungen findest du auf www.nationalpark-hainich.de.

Der Besuch des Baumkronenpfades und der Region Wartburg-Hainich erfolgte im Rahmen einer Pressereise der Welterberegion Wartburg-Hainich. Vielen Dank für die Einladung und Organisation!

Natürlich waren auch andere Blogger mit dabei. Ihre Eindrücke, Fotos und Artikel findet ihr auf ihren wunderbaren Blogs:
Reisen2go – Entdecke den Nationalpark Hainich
Kulturmagazin 8ung – Bad Langensalza und Japanischer Garten
Worldonabudget.de – Wochenende in Thüringen: Welterberegion Wartburg-Hainich
Kellertür – Tipps für eine Reise nach Bad Langensalza
Berufebilder – Tagen & Waldbaden in der UNESCO Welterberegion

 

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